Infos für Lehrkräfte

Legasthenie und Dyskalkulie sind heterogene Lernstörungen, die sich nicht auswachsen. Nehmen Sie diese daher ernst. Alle schulischen Maßnahmen sollten daher passgenau auf das Kind oder den Jugendlichen abgestimmt sein, um langfristig wirkungsvoll zu sein. Sehen Sie den Schüler mit seinen Stärken und Schwächen, knüpfen Sie an positiven Entwicklungspunkte an und machen Sie (auch kleine) Lernerfolge sichtbar.

Lernförderung

Eine Förderung, die ausschließlich eine Stoffwiederholung im Sinne einer Nachhilfe anbietet, ist für Schüler mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie nicht hilfreich. Stattdessen sollten individuell die Bereiche gefördert werden, in denen die Defizite vorliegen.

Grundlage hierfür ist zunächst die Unterrichtsbeobachtung der Lehrkraft im Sinne einer kontinuierlichen Lernstands- und Lernprozessbeobachtung. Liegen bei einem Schüler gravierende Schwierigkeiten vor, so muss die Förderung zunächst in diesen Bereichen ansetzen und die Vermittlung von Basiskompetenzen im Mittelpunkt des Förderkonzeptes stehen. Warten Sie nicht darauf, dass der Schüler von selbst aufholt.

Informationen zur Förderung bei Vorliegen von Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und/unter Rechtschreiben können Sie der Richtlinie des Ministeriums für Bildung und Kultur vom 15.11.2009 entnehmen. Dort wird unter 3.1 zur Förderdiagnostik, unter 3.2 zu Fördermaßnahmen ausgeführt. Unter 4. wird dort auf die Organisation der Förderung eingegangen.

Im Fall des Vorliegens von Rechenschwäche und Rechenstörung/Dyskalkulie ist das Rundschreiben des Ministeriums für Bildung und Kultur vom 25.04.2014 maßgeblich. Dort finden Sie auch Ausführungen zur Förderdokumentation sowie Inhalte der Förderung.

Der Förderplan sollte mit den Eltern besprochen werden und der regelmäßige Kontakt, das Gespräch und die Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten gesucht werden. Verzichten Sie dabei auf pauschale Schuldzuweisungen. Schüler mit Lese-Rechtschreibstörung und/oder Rechenstörung sind weder dumm noch faul.

Nachteilsausgleich

Informationen zum Nachteilsausgleich und der Möglichkeit des Abweichens von allgemeinen Grundsätzen der Leistungsbewertung fnden Sie auf unserer Seite "schulrechtliche Regelungen".

Im Falle eines begründeten Verdachts einer Legasthenie/Dyskalkulie sollte den Eltern zusätzlich eine medizinische Diagnostik und, soweit erforderlich, auch eine außerschulische Förderung des Kindes, empfohlen werden.

Maßnahmen zur individuellen Unterstützung im Unterricht können Sie auch unseren BVL-Handreichungen für Lehrkräfte zur Legasthenie (Verlinkung zur BVL-Webseite) und zur Dyskalkulie (Verlinkung zur BVL-Webseite) entnehmen.

Tipps für den schulischen Alltag

Eine harmonische und angstfreie Atmosphäre im Klassenzimmer trägt zur Stabilisierung des Schülers bei und gewährleistet förderliche äußere Rahmenbedingen, die stützend wirken.

  • Zeigen Sie dem Schüler regelmäßig seine Lernfortschritte auf, auch wenn diese gering sind. Die Schüler brauchen dringend Ermutigung und Motivation, da sie oftmals an ihren Leistungen verzweifeln.
  • Machen Sie dem Schüler seine Stärken bewusst und fördern Sie ganz gezielt sein Selbstbewusstsein.
  • Stellen Sie Inhalte strukturiert dar, gestalten Sie Arbeitsblätter möglichst übersichtlich.
  • Bieten Sie Schülern (insbesondere der Sekundarstufe) die Verwendung technischer Hilfsmittel an.
  • Sofern Maßnahmen des Nachteilsausgleichs gewährt werden, ist es sinnvoll, die Mitschüler darüber zu informieren. Beachten Sie dabei die datenschutzrechtlichen Regelungen zur Schweigepflicht, die eine Weitergabe gesundheitsbezogener Daten untersagt. Erklären Sie den Mitschülern, dass auch sie die notwendige Unterstützung erhalten, wenn dies erforderlich ist.
  • Vermeiden Sie unbedingt Bloßstellung.
  • Schüler mit Legasthenie/Dyskalkulie sollten nicht am Fenster sitzen. Dies kann die Konzentration vermindern und vom Unterricht ablenken. Sie sollten möglichst neben einem ruhigen Schüler bzw. in einem ruhigen Umfeld sitzen.

Sie benötigen weitere Informationen oder Hilfe?

Wir beraten Sie gerne zu folgenden Themen und darüber hinaus:

  • schulische Maßnahmen zur individuellen Unterstützung im Rahmen des Unterrichts
  • Förderprogramme
  • Möglichkeiten einer außerschulischen qualifizierten Förderung
  • Weiterbildung zum/zur Dyslexie-/Dyskalkulietherapeuten nach BVL
  • Tipps für das Elterngespräch

 

Auch für Lehrkräfte: Werden Sie Mitglied im BVL.

- aktualisiert am 23. Mai 2024 -

Unsere Ziele und Aufgaben

Vielfalt ist gut! Legasthenie und Dyskalkulie sind Teil dieser Vielfalt. Wir alle haben unsere Stärken und Schwächen, unsere Begabungen und Einschränkungen – mit den richtigen Rahmenbedingungen können wir unsere Stärken entfalten und mit unseren Schwächen gut leben.

Unser zentrales Ziel ist es, für Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie angemessene Bedingungen zu schaffen und individuelle Bildungschancen auf den Weg zu bringen!

Gemeinsam wird vieles leichter!

Bereits vor Jahrzehnten haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie und ihre Familien aktiv zu unterstützen sowie aktuelle Informationen zur Bildungspolitik und über Forschung & Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Sie und Ihr Kind haben Anspruch auf Chancenausgleich und Hilfestellungen. Für diesen Anspruch setzen wir uns ein. Werden Sie Mitglied in unserem Verband – gemeinsam wird vieles leichter.

Tanja Scherle
Bundesvorsitzende

 

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